„Hitze ist längst kein reines Outdoor-Thema mehr“
DOSB: Liebe Miranda, du bist professionelle Badmintonspielerin und Teil der Nationalmannschaft. Neben deiner sportlichen Karriere engagierst du dich auch für Nachhaltigkeit und Klimaschutz im Sport.
Miranda Wilson: Ja, neben dem Leistungssport engagiere ich mich seit vielen Jahren für Nachhaltigkeit und Klimaschutz im Sport. 2021 habe ich gemeinsam mit meinem damaligen Trainingspartner Kai Schäfer die Organisation BadmintONEarth gegründet, denn mir ist es wichtig, meine Stimme als Athletin aktiv für Themen zu nutzen, die für unsere Gesellschaft und den Sport essenziell sind - gerade mit Blick auf zukünftige Generationen.
Wenn über Hitze im Sport gesprochen wird, stehen meist Sportarten im Freien im Fokus. Welche Bedeutung hat das Thema inzwischen generell für den Leistungs- und Spitzensport?
Hitze ist längst kein reines Outdoor-Thema mehr. Auch im Leistungs- und Spitzensport spielt sie eine immer größere Rolle, weil sich Trainings- und Wettkampfbedingungen deutlich verändern. In heißen Hallen steigt die körperliche Belastung, die Regeneration zwischen intensiven Einheiten wird anspruchsvoller und das Verletzungsrisiko kann dadurch zunehmen. Deshalb gehört der bewusste Umgang mit Hitze heute fest zur professionellen Trainingssteuerung in allen Sportarten.
Inwiefern erleben Badmintonspieler*innen die Auswirkungen von Hitze bei Training und Wettkämpfen?
Auch im Badminton merken wir die Auswirkungen deutlich, vor allem bei Turnieren in den Sommermonaten oder in wärmeren Regionen wie Süd- und Ostasien. Hallen ohne Klimatisierung können sich stark aufheizen, die Luft steht oft und Spiele werden dadurch noch intensiver. Zusätzlich verändern sich die Flugeigenschaften des Federballs je nach Temperatur, was eine taktische Anpassung des Spiels erfordert. In großen, klimatisierten Arenen (häufig in Asien) kommt noch hinzu, dass Luftbewegungen einen sogenannten „Drift“ erzeugen, der das Spiel taktisch komplett verändern kann.
Welche speziellen Herausforderungen bringt Hitze in einer Hallensportart wie Badminton mit sich?
Viele unterschätzen, dass Hallensportarten wie Badminton ebenfalls stark von Hitze betroffen sind. Oft fehlt die Luftzirkulation, und die Wärme bleibt in der Halle „stehen“. Gleichzeitig erfordert Badminton als schnellster Rückschlagsport ein hohes Maß an Schnelligkeit und Reaktionsfähigkeit, was dadurch auch den Kreislauf stark belastet. In einem Wettkampf wird Hitze somit schnell zu einem entscheidenden Leistungsfaktor.
Philipp Buhl und der Segler-Verband segeln wieder auf der gleichen Welle
Das Gespräch ist fast beendet, da bittet Philipp Buhl darum, noch einen wichtigen Gedanken äußern zu dürfen. „Niemand hat Lust auf Streit. Alle Parteien, die involviert sind, haben das gleiche Ziel: sportlichen Erfolg! Wenn alle an einem Strang ziehen, dann werden wir dieses Ziel auch erreichen“, sagt der 36-Jährige. Es klingt wie ein verbaler Schlussstrich unter eine Phase seiner Karriere, die den Segel-Weltmeister von 2020 abseits seines Sports extrem viel Energie gekostet hat. Eine Phase, in der er kurz davor war, seine Karriere zu beenden und den Traum von einer olympischen Medaille endgültig aufzugeben. Doch diese Phase, die er als „die wahrscheinlich schwierigste meiner Karriere“ einordnet, ist überwunden, Philipp Buhl will nach vorn schauen und seine gesamte Kraft wieder dem widmen, was er so sehr liebt: seinem Sport.
Ganz ohne Rückschau allerdings ist der Vorausblick nicht zu bewältigen. Was also war passiert? Philipp Buhl, geboren in Immenstadt im Allgäu, wohnhaft in Sonthofen und mit Zweitwohnsitz an seinem Trainingsort Kiel ausgestattet, ist unbestritten Deutschlands bester Segler in der Klasse ILCA 7, die bis 2020 als Laser Standard firmierte. Sein in Melbourne (Australien) gewonnener WM-Titel verewigte ihn in den Geschichtsbüchern des Segelsports, und auch wenn ihm der ganz große Törn bei den Olympischen Spielen bislang nicht gelang – Rang fünf in Tokio 2021 ist bei drei Teilnahmen sein bestes Resultat –, hat sich der Europameister von 2012 national wie international einen Status erarbeitet, der außer Frage steht. Die WM als Saisonhöhepunkt gilt alljährlich als beste Möglichkeit, um die Zugehörigkeit zum Nationalkader zu untermauern. Da Philipp diese Chance freiwillig ausließ und dann bei der Europameisterschaft mit Platz 14 den geforderten Leistungsnachweis (Top acht) und weitere individuell vereinbarte sportfachliche Kriterien nicht erbrachte, entschied der Deutsche Segler-Verband (DSV), den Routinier für die Saison 2026 nicht in den Förderkader aufzunehmen, was den Athleten letztlich dazu veranlasste, seine Kampagne fortan in Eigenregie fortzusetzen.
Tiefpunkt im Januar, Hilfe vom bayerischen Verband
Was das bedeutet, versucht er möglichst plakativ zu beschreiben. „Der Tiefpunkt war im Januar, als mir klar war, dass ich auf mich allein gestellt war. Ich musste schauen, wie ich mir die notwendige Logistik organisieren und die Kosten dafür aufbringen konnte“, erinnert er sich. Eine rettende Hand reichte ihm Bastian Henning, Landestrainer im Bayerischen Segel-Verband, der den für den Norddeutschen Regatta Verein (NRV) Hamburg startenden Philipp angesichts von dessen weiterhin bestehender Mitgliedschaft im Segelclub Alpsee-Immenstadt in die Förderung aufnahm und ihm dadurch Zeit verschaffte, einen Grundplan für das erste Halbjahr 2026 zu entwickeln. „Dafür bin ich extrem dankbar. Dennoch blieb ziemlich viel Training auf der Strecke, weil ich mich um logistische Dinge und Sponsorenakquise kümmern musste“, sagt Philipp, der für eine Olympiakampagne zusätzlich zur Verbandsförderung eine deutlich sechsstellige Summe für Material, Expertencoaches und Logistik aufbringen muss.
Was ihm ebenfalls half, war der Fakt, dass die Bundeswehr seine Sportförderstelle auf DSV-Initiative trotz fehlendem Kaderstatus für sechs Monate verlängerte. „So konnte ich mir einen Zeithorizont bis zum August stecken, um bei der EM und bei der WM einen Leistungsnachweis zu erbringen und damit in den Förderkader des DSV zurückzukehren“, sagt er. Dass ihm dies schon bei den kontinentalen Titelkämpfen in Split (Kroatien) im vergangenen Monat gelingen würde, damit hätte er nicht gerechnet. „Die Zielvorgabe, es in einem topbesetzten Feld unter die besten drei zu schaffen, war schon ziemlich spicy“, sagt er. Andererseits habe er über die vergangenen Jahre gelernt, dass er unter Druck oft besser performe. „Im Training und bei unbedeutenderen Regatten setze ich deshalb den Druck künstlich hoch, um genau das zu üben.“ Offensichtlich mit Erfolg: Vor Kroatiens Küste gewann er in einem als kompliziert bekannten Revier die Silbermedaille.
Die Bedeutung dieses Erfolgs kann Dom Tidey am besten einordnen. Der 50-Jährige ist seit November 2024 Chefbundestrainer im DSV, nachdem er zuvor viele Jahre in seiner Heimat Großbritannien als Athlet und Coach aktiv war und seit 2021 erfolgreich das deutsche iQFOiL-Team betreut hatte. Seine Hauptaufgabe ist es, die Leistungsfähigkeit aller Athlet*innen und des Trainerteams für die olympischen Bootsklassen – zehn sind es aktuell, ob der DSV in allen starten wird, ist noch unklar – sicherzustellen. Aktuell zählen acht Athlet*innen zum Olympiakader (OK), 28 zum Perspektivkader (PK), zehn zum Nachwuchskader 1 und weitere 26 zum Nachwuchskader 2. „Als EM-Zweiter kehrt Philipp direkt in den Perspektivkader zurück“, sagt Tidey, der den Konflikt der vergangenen Monate sehr besonnen und nüchtern betrachtet.
Fünf Tipps für Deinen Einstieg ins Tennis
Tennis begeistert Millionen Menschen weltweit, sei es auf den großen Bühnen der Grand-Slam-Turniere und Olympischen Spiele oder auf den Plätzen des örtlichen Sportvereins. Wenn Du selbst aktiv werden möchtest, findest Du mit diesen fünf Tipps den passenden Einstieg.
Ausprobieren statt lange Überlegen
Wenn Du mit Tennis anfangen möchtest, musst Du nicht sofort Mitglied werden oder in eine komplette Ausrüstung investieren. Viele Sportvereine bieten Schnuppertrainings, Aktionstage oder Einsteigerkurse an. Schläger und Bälle können dort häufig ausgeliehen werden. So findest Du unkompliziert heraus, ob Dir Tennis Spaß macht und zu Dir passt.
Unser Tipp: Nutze ein Schnuppertraining und probiere Tennis einfach aus!
Vereine erleichtern den Einstieg
Der einfachste Weg zum Tennis führt meist über einen Sportverein. Dort findest Du nicht nur Tennisplätze und Trainingsmöglichkeiten, sondern auch erfahrene Trainer*innen, die Dich bei den ersten Schritten begleiten. In Einsteigerkursen und Trainingsgruppen lernst Du die Grundlagen des Sports und triffst auf Menschen mit ähnlichen Voraussetzungen. So kannst Du erste Erfolgserlebnisse sammeln und dabei Teil einer sportlichen Gemeinschaft werden.
Unser Tipp: Frage bei einem Tennisverein in Deiner Nähe nach Einstiegsangeboten!
Sportabzeichen in Sachsen: Deutliches Plus im Jahr 2025
DOSB: Wie bewertet ihr die Zahlen aus der Statistik 2025?
Johanna Moritz: Das Sportabzeichenjahr 2025 war in Sachsen zweifelsohne ein voller Erfolg. Wir sind stolz auf einen Zuwachs von rund 10,5 Prozent und damit knapp 2.000 zusätzliche abgelegte Sportabzeichen. Das ist eine bundesweit herausragende Entwicklung. Dieses Ergebnis zeigt das große Engagement aller Beteiligten in den Vereinen, Schulen sowie Kreis- und Stadtsportbünden und unterstreicht die hohe Bedeutung des Deutschen Sportabzeichens in Sachsen.
Worauf führt ihr die Steigerung der Zahlen zurück?
Die steigenden Teilnahmezahlen sind kein Zufall, sondern das Ergebnis einer gemeinsamen Kraftanstrengung vieler engagierter Menschen. Ein besonderer Dank gilt den engagierten Ehrenamtlichen sowie den hauptamtlichen Mitarbeitenden in den Kreis- und Stadtsportbünden. Sie sorgen mit ihrem Einsatz dafür, dass das Deutsche Sportabzeichen vor Ort sichtbar bleibt und Menschen zum Mitmachen motiviert werden.
Die Beteiligung der Schulen hat deutlich zugenommen. Dies zeigt, wie wichtig die enge Zusammenarbeit zwischen dem organisierten Sport und den Bildungseinrichtungen ist. Die gewachsenen Teilnahmezahlen belegen, dass diese Vernetzung bei uns in Sachsen sehr gut funktioniert.
Ein weiterer Erfolgsfaktor ist der sachsenweite Sparkassen-Sportabzeichenwettbewerb, der viele Schulen, Vereine sowie Kreis- und Stadtsportbünde zu besonderen Leistungen anspornt. Wer sich das ganze Jahr mit großem Engagement für das Deutsche Sportabzeichen einsetzt, erhält dadurch öffentliche Wertschätzung. Diese Anerkennung wirkt motivierend und setzt vielerorts zusätzliche Kräfte frei.
Die Sportabzeichen-Zahlen in Sachsen zeigen: Wenn engagierte Menschen, Schulen und der organisierte Sport an einem Strang ziehen, kann viel bewegt werden.
Deutsches Sportabzeichen bringt 2025 noch mehr Menschen in Bewegung
Das Deutsche Sportabzeichen für Menschen mit und ohne Behinderungen bleibt auf Erfolgskurs: Im Jahr 2025 wurden bundesweit 577.570 Sportabzeichen verliehen. Das sind 27.202 mehr als im Vorjahr und entspricht einem Plus von fast fünf Prozent. Die aktuelle Entwicklung zeigt: Das Deutsche Sportabzeichen ist ein wirksamer Motor für Bewegung, Gesundheit und Gemeinschaft – in der Schule, im Verein und vor Ort.
Besonders erfreulich ist die Entwicklung bei Kindern und Jugendlichen. Mit 431.945 erfolgreichen Abnahmen verzeichnet diese Gruppe einen Zuwachs von 5,56 Prozent gegenüber 2024 und trägt damit maßgeblich zur positiven Gesamtentwicklung bei.
DOSB-Vorständin Michaela Röhrbein sagt: “Das Deutsche Sportabzeichen zeigt, wie wir Menschen über Generationen hinweg für Bewegung begeistern können. Die steigenden Zahlen bei Kindern und Jugendlichen sind ein starkes Signal – zugleich liegt eine große Chance darin, ältere Menschen noch stärker zu erreichen. Denn Bewegung kennt kein Alter: Sie stärkt Gesundheit, Selbstvertrauen, Teilhabe und Gemeinschaft. Genau damit zahlt das Sportabzeichen auf unsere Ziele 2035 ein: mehr Menschen in Bewegung bringen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt durch Sport stärken.”
„Ich kann wirklich nur jedem ans Herz legen, sich ehrenamtlich zu engagieren“
DOSB: Julian, herzlichen Glückwunsch zu dieser besonderen Auszeichnung. Welchen Stellenwert hat ein solcher Preis verglichen mit Titeln oder Auszeichnungen, die du im Leistungssport schon gewinnen konntest?
Julian Köster: Natürlich möchte ich als Sportler Titel und Erfolge auf dem Spielfeld feiern. Trotzdem freue ich mich sehr über diese Auszeichnung und bin wirklich stolz darauf. Besonders wichtig ist mir aber, dass sie die Athletinnen und Athleten von Special Olympics Deutschland und Menschen mit geistiger Behinderung noch ein Stück sichtbarer macht. Es kennen noch immer zu wenig Menschen die Organisation und die großartige Arbeit, die dort geleistet wird.
Du kannst leider aus privaten Gründen nicht persönlich den Preis entgegennehmen. Wie geht es dir gesundheitlich?
Mir geht es gesundheitlich zum Glück wieder gut. Nach dem Verletzungsschock im April und der überstandenen Reha konnte ich schon wieder auf der Platte stehen und meine letzten Spiele für den VfL Gummersbach absolvieren (Julian wechselt nach dieser Saison zum THW Kiel, d. Red.). Leider kann ich nicht persönlich in Biebrich dabei sein, was ich sehr bedauere. Umso mehr freut es mich, dass mein Freund und Special-Olympics-Athlet Thomas Wendt vor Ort ist. Er hat mir schon zugesichert, dass er alles regeln wird. Das gibt mir ein gutes Gefühl.
Der Fair Play Preis des Deutschen Sports würdigt in jedem Jahr herausragende Aktionen, die für Mitmenschlichkeit stehen. Welche Szene aus deiner Karriere ist dir in Verbindung mit Fair Play am nachhaltigsten in Erinnerung geblieben?
Das Schöne ist, dass sowohl der Handball als auch der Sport bei Special Olympics sehr von Fair Play geprägt sind. Natürlich denke ich, wenn ich „Fair Play Preis“ höre, zuerst an Andi Wolff, der vor zwei Jahren ebenfalls damit ausgezeichnet wurde. Damals hatte er sich bei der WM 2023 in zwei Aktionen dafür eingesetzt, dass gegnerische Spieler nicht zu Unrecht mit Zeitstrafen belegt wurden. Aber eigentlich steht diese Haltung für den Handball insgesamt. Woche für Woche erlebt man solche Gesten – egal ob im Jugendbereich, bei den Amateuren oder im Profisport. Genau das erlebe ich auch bei Special Olympics. Natürlich wollen alle gewinnen und ihr Bestes geben. Aber gleichzeitig stehen Respekt, Miteinander und gegenseitige Unterstützung immer im Vordergrund. Das macht für mich Fair Play aus.
Handball gilt als extrem harter, aber trotzdem sehr fairer Sport. Warum gelingt im Handball dieser Spagat anscheinend besser als anderswo?
Weil diese Werte von Anfang an vorgelebt werden. Es spielt keine Rolle, ob man mit Freunden in der Halle steht oder ein Champions-League-Finale spielt. Respekt vor dem Gegner und den Schiedsrichtern gehören im Handball einfach dazu. Dass das so ist, ist leider nicht selbstverständlich. Schön wäre es natürlich, wenn das in allen Sportarten und auch im Alltag gelebt werden würde.
Den Sonderpreis erhältst du für dein langjähriges Engagement für Special Olympics Deutschland. Wie kam es dazu, dass du dich für diese tolle Organisation einsetzt?
Begonnen hat alles mit einem Fotoshooting für die Landesspiele 2024 von Special Olympics NRW in Münster. Kurz zuvor hatte ich die Special Olympics World Games 2023 in Berlin verfolgt. Darüber wurde damals sehr viel berichtet. Ehrlicherweise muss ich aber sagen, dass ich vorher kaum Berührungspunkte mit Special Olympics hatte. Die Bilder und Geschichten haben mich beeindruckt. Kurz darauf wurde ich zu einer Veranstaltung eingeladen. Damals hat es terminlich leider nicht gepasst, aber nach den Gesprächen mit Verantwortlichen von Special Olympics war für mich klar, dass ich das unbedingt selbst erleben möchte. Bei den Landesspielen in Münster war ich dann einen Tag vor Ort und sofort begeistert – von der Atmosphäre, den Emotionen und Leistungen der Athletinnen und Athleten und der Freude, die überall zu spüren war. Dort habe ich auch mein erstes inklusives Handballtraining geleitet. Ich war vorher ehrlich gesagt nervös, weil ich nicht wusste, was mich erwartet. Aber die Sportlerinnen und Sportler haben mich direkt aufgenommen, als würde ich schon lange dazugehören. Dieses Gefühl hat mich nachhaltig beeindruckt. Seitdem freue ich mich über jedes Special-Olympics-Event, bei dem ich dabei sein darf.
Kopf, Herz und Bauch sind endlich wieder Freunde
Zu Hause ist es am schönsten? Ricarda Funk ist ein wenig zwiegespalten, wenn sie an das kommende Wochenende denkt. Natürlich freut sie sich riesig auf den Heimweltcup auf dem Augsburger Eiskanal, zu dem vom 12. bis 14. Juni (Infos und Zeitplan hier) rund 250 Slalomkanut*innen antreten werden. „Dass Freunde und Familie bei einem Weltcup vor Ort sind, passiert ja nur in der Heimat, und das genieße ich sehr“, sagt die Einerkajak-Olympiasiegerin von Tokio. Aber dass alle immer von Heimvorteil sprechen, behagt ihr nicht uneingeschränkt. „Der Druck wird dadurch nicht weniger, denn alle erwarten Bestleistungen, wenn man zu Hause antritt. Doch auch wenn es ein Vorteil ist, auf der Bahn Rennen zu fahren, auf der man täglich trainiert, so weiß man auch genau, was an welcher Stelle schief gehen kann. Der Kopf muss also auf jeden Fall mitspielen“, sagt die 34-Jährige, die im vergangenen Jahr intensiv erfuhr, was es bedeutet, wenn der mentale Stress auf ungesunde Art Grenzen sprengt.
In einem emotionalen Post auf ihren Social-Media-Kanälen hatte Ricarda vor einigen Wochen eine Art verbalen Schlussstrich unter eine Phase ihres Lebens gezogen, in der Selbstzweifel einen Transformationsprozess in Gang gesetzt hatten. „Es fühlt sich gut an, wenn Kopf, Herz und Bauch Freunde sind. Ein Gefühl, das ich letztes Jahr vermisst hatte“, schrieb sie. Im Gespräch mit dem DOSB erläutert die Sportsoldatin vom KSV Bad Kreuznach, was sich hinter dieser Botschaft verbirgt. „Nach meinem Olympiasieg 2021 in Tokio bin ich sofort in die Vorbereitung auf die Spiele in Paris eingestiegen. Ich habe keine Pausen gemacht, sondern war total darauf fixiert, in Paris meinen Erfolg zu bestätigen“, sagt sie. Als das wegen eines Fahrfehlers kurz vor Schluss, der sie auf Rang elf zurückwarf, misslungen war, fiel die Spitzenathletin in das berüchtigte Post-Olympia-Loch. „Nach Paris war eine Leere in mir, ich wusste nicht mehr, wohin ich wollte und warum ich das Ganze überhaupt noch mache“, sagt sie. Der Kopf habe all das infrage gestellt, was sie sich mit ihrem Herz für den Leistungssport erarbeitet hatte.
Im vergangenen Jahr erwog Ricarda sogar ein Karriereende
In dieser Zeit erwog Ricarda sogar, die aktive Karriere zu beenden. „Ich habe wirklich sehr hart mit mir gekämpft“, sagt sie. Rückblickend sei sie allerdings dankbar für diese Phase. „Es ist nicht so, dass ich das unbedingt gebraucht hätte, aber es hat geholfen, um Muster aufzubrechen und Dinge in Bewegung zu setzen. Menschen brauchen Balance. Mein Mobilé hing unfassbar schief, das musste ich justieren. Ich schaffe mir jetzt Raum für Dinge, zu denen ich früher konsequent Nein gesagt habe.“ So habe sie mit der Hilfe von Freunden, Familie und der Sportpsychologie ein neues Mindset erarbeitet, das darauf abzielt, durch mehr Erholung und das Zulassen von Genuss eine bessere Balance zwischen An- und Entspannung zu finden. „Ich habe im Training einiges verändert, setzte vermehrt auf Regeneration. Ich hoffe, dass ich von dem maßlosen Getriebensein auf der Jagd nach Medaillen zu einem ausgewogeneren Umgang mit mir und meinen Zielen finde. Am Ende ist das gesünder, als immer nur den nächsten Erfolg im Blick zu haben, denn dieses Hamsterrad hat sich nicht gut angefühlt“, sagt sie.
Was im Umkehrschluss natürlich nicht bedeutet, dass sie fortan ambitionslos in ihre Wettkämpfe starten würde. „Natürlich möchte ich auch weiterhin Rennen gewinnen. Aber mein wichtigstes Ziel ist es, an den Start zu gehen, völlig in der Sache aufzugehen und einen Flow zu erleben. Dann damit zufrieden zu sein, was auch immer herauskommt, wäre ein Gefühl, das ich genießen würde. Ich glaube, dass man leichter über sich hinauswachsen kann, wenn man komplett frei im Kopf ist.“ So offen über ihre psychischen Belastungen zu sprechen, sei ihr nicht schwer gefallen. „Höhen und Tiefen gehören gleichermaßen zum Sport dazu, es ist nicht immer Glanz und Gloria. Und ich finde es wichtig, dass wir darüber reden“, sagt sie, wohlwissend, dass die Hürde, sich dahingehend zu öffnen, für manche noch immer zu hoch ist. „Das sollte so nicht sein. Das psychologische Element wird im Leistungssport noch immer zu häufig unterschätzt, obwohl es auf höchstem Niveau unabdingbar ist, sich damit auseinanderzusetzen.“
An die Olympischen Spiele 2028 denkt sie noch gar nicht
Für Ricarda bedeutet die neue Herangehensweise, nur noch in kleinen Schritten vorauszuplanen. „Immer nur groß zu denken hat mich erdrückt, dadurch war ich emotional so unglaublich erschöpft. Mir tut es gut, einfach nur im Moment zu leben. Mein Antrieb ist die Liebe und Leidenschaft für den Sport“, sagt sie. An die nächsten Olympischen Spiele, die in zwei Jahren in Los Angeles anstehen, denke sie deshalb noch gar nicht, auch wenn sie unter den fünf Ringen gern einmal erleben würde, wie sich Erfolg und Erlebnis paaren. „Ich habe es ja leider zerstückelt erlebt. In Tokio habe ich Gold gewonnen, aber es durften wegen Corona keine Zuschauer dabei sein. In Paris war die Atmosphäre unglaublich, aber ich hatte nicht den erhofften Erfolg. Es wäre schon schön, wenn ich noch einmal beides gemeinsam haben könnte“, sagt sie.
In diesem Jahr steht sportlich die WM in Oklahoma City im Fokus, die vom 20. bis 25. Juli angesetzt ist. Im Mai war das Nationalteam für zwei Wochen in den USA vor Ort, um sich mit den Begebenheiten vertraut zu machen. „Die Strecke war komplett neu für mich, was ungewöhnlich ist. Meist kehrt man im Lauf seiner Karriere immer wieder an dieselben Orte zurück. Umso mehr habe ich es genossen, meinen Horizont zu erweitern. Ich habe mich in meine Kindheit zurückversetzt gefühlt“, sagt Ricarda, die sich wünscht, dass dem Saisonhöhepunkt mehr Wertschätzung entgegengebracht würde. „Olympische Spiele sind für unsere Sportart die einzige Chance, mal von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Alles, was zwischen den Spielen passiert, ist ein anderes Game, da wird man kaum gesehen, obwohl eine WM für uns fast so wertvoll ist wie Olympia“, sagt die viermalige Weltmeisterin.
Olympiabewerbung: Nationale Bewerber legen finale Konzepte vor
Ein Jahr nach Abgabe der Grobkonzepte haben drei nationale Bewerber ihre finalen Unterlagen fristgerecht beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) vorgelegt.
Die Konzepte aus Berlin, KölnRheinRuhr und München erfüllen alle Voraussetzungen der ersten beiden Auswahlstufen. In Stufe 1 wurden alle Bewerbungen auf ihre operative Machbarkeit sowie die Einhaltung zentraler Mindestanforderungen geprüft. In der zweiten Phase stand die gesellschaftliche und politische Stabilität für eine Bewerbung im Mittelpunkt: München und KölnRheinRuhr sicherten diese durch klare Zwei-Drittel-Mehrheiten in Bürgerentscheiden. In Berlin liegt ein Beschluss des Abgeordnetenhauses vor – ebenfalls mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit. Der vierte nationale Bewerber Hamburg zog seine Bewerbung zurück.
Darja Varfolomeev ist „Sportlerin des Monats“ Mai
Mit drei Goldmedaillen bei den Europameisterschaften in Warna, Bulgarien, hat Darja Varfolomeev einmal mehr ihre Ausnahmestellung in der Rhythmischen Sportgymnastik unter Beweis gestellt. Nach ihrem Titelgewinn im Mehrkampf sicherte sich die Olympiasiegerin von Paris zusätzlich die Goldmedaillen mit dem Ball und dem Band. Für diese herausragenden Leistungen wählten die Sporthilfe-geförderten Athletinnen und Athleten Darja Varfolomeev mit 54 Prozent zur „Sportlerin des Monats“ Mai.
Anders als bei Medien- oder Publikumswahlen entscheiden bei der Wahl zur Sportlerin bzw. zum Sportler des Monats ausschließlich Deutschlands beste Nachwuchs- und Spitzenathletinnen und -athleten. Dadurch erhält die Auszeichnung ihre besondere sportliche Wertigkeit. Zu Beginn eines jeden Monats stellt die Sporthilfe den rund 4.000 geförderten Athletinnen und Athleten Kandidatinnen oder Kandidaten zur Wahl, die sich im Vormonat durch herausragende Leistungen empfohlen haben. Die Stimmabgabe erfolgt per Online-Voting.
Hinter Darja Varfolomeev sichert sich Sportschützin Nele Stark (26,2 %) Rang zwei bei der Sporthilfe-Wahl. Die 20-Jährige überzeugte bei der Kleinkaliber-Europameisterschaft in Kroatien mit einem Weltrekord und Gold im Kleinkaliber-Dreistellungskampf. Gemeinsam mit Lisa Grub und Anna Janßen gewann sie zudem Mannschaftsgold. Den dritten Platz bei der Wahl belegt das deutsche Tischtennis-Nationalteam der Damen. Yuan Wan, Annett Kaufmann, Nina Mittelham, Ying Han und Sabine Winter (19,8 %) gewannen bei den Team-Weltmeisterschaften in London die Bronzemedaille. Nach nur einer Niederlage im Halbfinale gegen Japan belegte das deutsche Team den dritten Platz.
Für ihre herausragenden Leistungen waren die Athletinnen und Athleten von der Athletenkommission im DOSB, von SPORT1 und von der Sporthilfe für die Wahl nominiert worden.
Radsport: Fünf Fakten, die du kennen solltest
1. Vielseitig wie kaum eine andere Sportart
Radsport ist weit mehr als Tour de France und Rennrad: Er vereint viele Disziplinen, vom Straßenradsport, Bahn und Mountainbike über BMX, Cyclocross und Gravel bis zu Hallenradsportarten wie Kunstradfahren, Radball oder Einradfahren. Besonders im Trend liegen aktuell Gravelbikes, die als Allrounder sowohl für Asphalt als auch für unbefestigte Wege geeignet sind. Auch Indoor-Cycling und Spinningkurse erfreuen sich in Sportvereinen großer Beliebtheit. Ob leistungsorientiert oder einfach zum Spaß: Radsport bietet für jede*n das passende Format.
Mehr zu den einzelnen Disziplinen findet ihr unter: https://www.germancycling.com/
2. Radfahren ist richtig gesund
Radfahren ist ein echtes Wundermittel für Körper und Geist. Schon 4,5 Kilometer täglich senken laut WHO-Studien das Risiko für Herzinfarkt um bis zu 50 %. Auch das Risiko für bestimmte Krebsarten sinkt durch regelmäßige Bewegung. Zusätzlich wirkt Radfahren wie ein Booster für das Gehirn: Es verbessert die Konzentrationsfähigkeit, kurbelt die Kreativität an und kann sogar depressive Symptome lindern. Und wer abnehmen oder in Form bleiben möchte: Eine Stunde Radfahren kann – je nach Tempo und Gelände – bis zu 600 Kalorien verbrennen. Dank des sogenannten „Afterburn-Effekts“ läuft der Stoffwechsel sogar noch nach dem Training weiter auf Hochtouren.
Gemeinsam mit der Deutschen Krebshilfe und der Deutschen Sporthochschule haben wir einen Trainingsplan für Anfänger*innen erstellt:
Trainingsplan
3. Nachhaltig unterwegs
Radfahren ist nicht nur gesund, sondern auch klimafreundlich. Als emissionsfreies Verkehrsmittel reduziert es CO₂, Feinstaub und Lärm. Im Vergleich zum Auto können pro Kilometer rund 150 Gramm CO₂ eingespart werden. Im Alltag summiert sich das schnell. Gleichzeitig verbessert Radfahren die Luftqualität in Städten und sorgt für mehr Lebensqualität. Kurz gesagt: Wer aufs Rad steigt, schützt die Umwelt und trägt aktiv zu einer nachhaltigeren Mobilität bei.
4. Gemeinschaft auf zwei Rädern
Radsport ist ein Teamsport, obwohl man allein im Sattel sitzt. Im Verein, bei Ausfahrten oder Feierabendtouren entstehen schnell neue Kontakte. Studien zeigen: Gemeinsames Sporttreiben verbessert das seelische Wohlbefinden, senkt Stress und stärkt das Zugehörigkeitsgefühl. Wer regelmäßig mit anderen unterwegs ist, bleibt motivierter und hat oft mehr Spaß am Training. Für Anfänger*innen gilt: Viele Vereine bieten Angebote für Einsteigerinnen oder gemischte Gruppen.
Auftakt der Sportabzeichen-Tour 2026 am 12. Juni
Seit nunmehr 22 Jahren ist sie im Frühsommer immer wieder deutlich zu spüren: die Vorfreude auf die ganz besondere Atmosphäre während der Tourstopps der Sportabzeichen Tour des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Rund 1.200 Schüler*innen aus Hanau und Umgebung fiebern seit Wochen dem 12. Juni entgegen, wenn es um 8.30 Uhr auf der Sportanlage “An der Lindenau” endlich wieder losgeht.
Auch zwei großartige Sportler*innen zählen die Tage bis zum Tourstopp: Die Rekordmeisterin im Deutschen Kunstturnen, Elisabeth Seitz und der Rekordweltmeister im Bobsport, Francesco Friedrich kommen als Sportbotschafter*innen der Sparkassen Finanzgruppe ins Rhein-Main-Gebiet. Das Unternehmen ist Nationaler Förderer des Deutschen Sportabzeichens und macht Veranstaltungen wie die Sportabzeichen-Tour erst möglich.
Beide Sportler*innen freuen sich sehr auf die Mädchen und Jungen in Hanau. Auf dem Sportplatz geben sie wertvolle Tipps für die einzelnen Sportabzeichen-Disziplinen und motivieren die Schüler*innen tatkräftig bei ihren sportlichen Herausforderungen.
Tolle Gäste und ein abwechslungsreiches Programm
Andree Pfitzner, Rundfunkprofi und dem deutschen Sportabzeichen seit zwölf Jahren als DOSB-Moderator eng verbunden, führt auf unterhaltsame Art durch den Sporttag und sorgt dafür, dass alle den Überblick behalten. Unterstützt wird er von Dominik Kuhn, dem Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Hanau.
Als Ehrengäste haben unter anderen Claus Kaminsky, Oberbürgermeister von Hanau (ab 16.00 Uhr), Dr. Maximilian Bieri, Hanauer Bürgermeister sowie Michaela Röhrbein, DOSB Vorständin Sportentwicklung zugesagt – und natürlich Trimmy, das Maskottchen des DOSB.
Weitere sportliche Unterstützung gibt es ebenfalls: Auch Pia Wunderlich hat sich für den Sporttag angesagt. Pia Wunderlich ist erfolgreiche Ex-Fußball-Nationalspielerin und wurde 2003 mit der Frauen-Nationalmannschaft Weltmeisterin. Mit dem 1. FFC Frankfurt holte sie zwischen 1999 und 2008 insgesamt sechs Deutsche Meisterschaften, sieben DFB-Pokalsiege und gewann dreimal den UEFA-Cup.
Nach der Eröffnung des Sporttages und dem gemeinsamen Aufwärmen mit den Sportbotschafter*innen um 8.30 Uhr warten am Vormittag noch weitere besondere Aktivitäten: Um 9.00 Uhr gibt es für die anwesenden Sportler*innen und Ehrengäste einen Wettbewerb im Zielwurf mit “Knerrn” und “geele Riewe”. Gegen 11.30 Uhr findet eine Autogrammstunde mit den Sportler*innen statt.
Ab 12.30 Uhr haben dann alle Sportbegeisterten und die, die es noch werden möchten, die Chance, das Deutsche Sportabzeichen kostenfrei auszuprobieren oder direkt abzulegen. Eine vorherige Anmeldung ist nicht notwendig, das Anlegen eines eigenen Accounts auf www.sportabzeichen-digital.de aber von Vorteil. Wer den für das Deutsche Sportabzeichen notwendigen Nachweis der Schwimmfähigkeit erbringen möchte, kann das ebenfalls erledigen: im nahegelegenen Lindenau-Bad.
Von 14.00 bis 16.00 Uhr bekommen lokale und regionale Künstler*innen die Chance, sich auf einer „offenen Bühne“ zu präsentieren.
Um 16.00 Uhr steht noch ein besonderes Highlight auf dem Programm: das Fußballspiel „Hanau Allstars“ gegen eine inklusive Mannschaft des Behindertenwerks Main Kinzig – Anstoß durch den Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky.
Bewegung macht Spaß!
Selbstverständlich kommt bei der Sportabzeichen-Tour auch der Spaß nicht zu kurz: Den ganzen Tag über laden Mitmachangebote wie die Reaktions- und die Wurfwand der Sparkassen-Finanzgruppe zur sportlichen Bewegung ein. Weitere Mitmachangebote wie Fußballdart, eine Hüpfburg, das Spielmobil „Augustinchen“, das „Paule-Schnupper Abzeichen“ des DFB für fußballbegeisterte Mädchen und Jungen ab sechs Jahren und einiges andere mehr sorgen dafür, dass keine Langeweile aufkommt – inklusionsfördernde Schwerpunkte eingeschlossen.
Und für alle, die dabei Durst bekommen, hält die Wasserbar der Sparkasse eine Erfrischung bereit.
Für die Sportabzeichen-Tour 2026 stehen nach dem Auftakt in Hanau noch vier weitere Tourstopps auf dem Programm: Bereits am 19. Juni ist sie in Hildesheim in Niedersachsen zu Gast. Weiter geht es über Brandenburg an der Havel (Brandenburg) und Freiburg (Baden Württemberg) ins bayerische Kemnath, wo sie am 17. Juli ihr Finale erlebt.
„Im Gesamtergebnis steht es 19:1 für Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland“
Am Sonntagabend war klar, dass es in der Hansestadt nicht für ein Ja für Olympische und Paralympische Spiele reichen wird. Nach zuvor 19 gewonnenen Referenden ein Dämpfer für die deutsche Olympiabewerbung?
Thomas Weikert: Das sehe ich nicht so. Zum einen, weil die Menschen, so unser Eindruck nach ersten Analysen, in Hamburg vor allem gegen Spiele in Hamburg und nicht generell gegen Spiele in Deutschland gestimmt haben. Zum anderen gab es in 19 von 20 Referenden im Rahmen der Bewerbung ein Ja für Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland. Wenn man jede abgegebene Stimme gleichberechtigt zählt und die unterschiedliche Wahlbeteiligung berücksichtigt, haben im Schnitt 60 Prozent der Menschen der Bewerbung zugestimmt. Gepaart mit bundesweiten Umfragewerten von 70 Prozent und starken politischen Beschlüssen in Berlin und Rostock-Warnemünde weiterhin ein klares Zeichen: Die Menschen in Deutschland wollen mehrheitlich die Spiele.
Der DOSB hat stets betont, aus den vergangenen Referenden gelernt zu haben. Das Referendum in Hamburg unterstreicht dies, oder?
Ja, denn es zeigt, dass es die richtige Entscheidung war, den Bewerbern erst die Möglichkeit zu geben, Referenden und andere Beteiligungsformate durchzuführen, bevor der deutsche Sport eine Entscheidung über den deutschen Bewerber, der international ins Rennen geht, trifft. Anders als 2015 steht Deutschland jetzt mit drei starken Bewerbern da. Wir können uns weiter Hoffnung auf die Spiele machen, und das ist es, was die Menschen in Deutschland mehrheitlich wollen.
„Der Stellenwert des Trainerberufs muss deutlich mehr respektiert werden“
DOSB: Lisa, du hast als Berufssoldatin einen sicheren und bestimmt auch aufregenden Beruf. Was hat dich dennoch dazu bewogen, deine Trainerlizenz zu machen?
Lisa Brennauer: Die Jobsicherheit, die mir die Bundeswehr gibt, hat dazu beigetragen, dass ich mich dafür entschieden habe. Mich hat am Leistungssport früher das Schnelllebige, Unplanbare gestört. Als aktive Sportlerin habe ich mir immer vorstellen können, meine Erfahrungen und mein Wissen als Trainerin weiterzugeben. Aber die Unsicherheiten, die damit verbunden sind, haben mich doch eher abgeschreckt. Zu wissen, dass mich die Bundeswehr in meinen Plänen unterstützt und mir eine Sicherheit bietet, sollte es im Trainerjob nicht funktionieren, hat mir den Weg eröffnet, die Zweifel waren weg. Wenn man wie ich mehr als sein halbes Leben im Leistungssport verbracht hat und komplett dafür brennt, dann ist es sehr schwierig, davon loszukommen. Der Sport hat mir so viel gegeben, nun sehe ich es als Teil meiner Rolle als Trainerin, davon etwas zurückzugeben. Das ist mein wichtigster Beweggrund.
Welche Lizenzen hast du wo erworben und wieviel Zeit hat das in Anspruch genommen?
Im Rahmen meiner Ausbildung bei der Bundeswehr konnte ich eine erste Lizenz erwerben, die den Status einer B-Lizenz hat. Meine A-Lizenz habe ich darauf aufbauend bei German Cycling gemacht, in einer Mischung aus Präsenz und digitalen Inhalten. Die A-Lizenz war für mich dann die Grundlage, um mein Studium an der Trainerakademie in Köln aufzunehmen, wo ich gerade im zweiten Jahr mittendrin bin. Das Studium findet in Modulen statt mit einer Präsenzpflicht von vier Tagen im Monat. Im zweiten Jahr kann ich mir die Inhalte noch etwas flexibler zusammenstellen, was als Mutter zweier kleiner Kinder sehr wichtig für mich ist.
Welche Inhalte der Ausbildung waren für dich neu, welche besonders überraschend?
Neu war für mich das Feld der Bewegungslehre, vieles davon kannte ich aus dem Radsport noch nicht, vor allem nicht in der Detailtiefe. Das hat mir an einigen Stellen die Augen geöffnet. Überraschend fand ich das Fach Trainerphilosophie, in dem erfahrene, erfolgreiche Trainer aus ihrer Praxis berichten. Das ist extrem interessant und sehr hilfreich für das Ausbilden einer eigenen Philosophie. Der größte Benefit neben der Wissensvermittlung ist aber der Austausch mit anderen Trainerinnen und Trainern, der die Ausbildung so besonders macht. Gemeinsam mit Menschen aus anderen Sportarten über den Tellerrand zu schauen, sich zu hinterfragen und andere Sichtweisen kennenzulernen, das ist etwas, wovon ich enorm profitiere.
Gab es Dinge, die du vermisst hast?
Es liegt noch so viel Ausbildung vor mir, dass ich das nicht abschließend beurteilen kann. Bislang fehlt mir allerdings nichts, das Studium ist sehr erfüllend.
Warum ist es aus deiner Sicht wichtig, dass sich ehemalige Leistungssportler*innen im Trainerberuf engagieren?
Weil wir mitten aus dem Sport kommen und so viele Erfahrungen gesammelt haben, die weitergegeben werden sollten. Wenn ich es auf den Radsport herunterbreche, dann kann ich sagen, dass man über Datenanalyse sehr viel erreichen und vorbereiten kann. Aber die Erfahrung, wie sich ein Straßenrennen wirklich anfühlt und in was für Rennsituationen man geraten kann, und das Verständnis für die Gedanken und Ängste, die Sportlerinnen und Sportler manchmal umtreiben, kann man nicht erlernen. Deshalb ist es aus meiner Sicht extrem wichtig, dass wir uns in diesem Bereich einbringen.
Was sind aus deiner Sicht die wichtigsten Eigenschaften, die eine gute Trainerin haben muss?
Am wichtigsten ist es, ein offenes Ohr für das gesamte Team und die Athletinnen und Athleten zu haben. Ihnen zuzuhören, ihre Ansichten einzubinden und gemeinsam zu Entscheidungen zu kommen, das ist für mich gute Führung. Überhaupt Entscheidungen zu treffen und dazu auch zu stehen, ist ebenfalls wichtig.
Welche dieser Eigenschaften bringt man wegen seines Talents schon mit, wie viele kann man sich antrainieren?
In vielen Bereichen kann man über Training und wissenschaftliche Begleitung sehr viel erreichen. Aber dennoch sind die eigenen Erfahrungen, die man in der aktiven Karriere gemacht hat, unerlässlich. Und natürlich gibt es auch gewisse Talente, die man angesichts seines Charakters für die Trainingsarbeit mitbringen kann. Das Allermeiste allerdings kann man sich antrainieren.
„Es braucht unbedingt den Willen, sich jeden Tag verbessern zu wollen“
Karl, du bist im DEB als Bundestrainer Wissenschaft und Ausbildung seit 2017 auch für die Ausbildung von Trainerinnen und Trainern verantwortlich. Wie kam es, dass du diese Rolle übernommen hast, was hat dich daran besonders gereizt?
Mich hat vor allem die Möglichkeit gereizt, über die größten Multiplikatoren, die im Sport die Trainer sind, eine Sportart mitgestalten zu können. Ich komme selbst nicht aus dem Eishockey, ich habe Sportwissenschaft studiert und war als letzte Station vor meinem Wechsel zum DEB in der österreichischen Fußball-Bundesliga als Athletikcoach tätig. Aber in einer traditionsreichen und in Deutschland beliebten und erfolgreichen Sportart eine solch interessante Position bekleiden zu dürfen, habe ich als sehr spannende Herausforderung angesehen.
Was muss man können, um Trainerausbilder zu werden?
Ich möchte zunächst einmal klarstellen, dass ich als „Fachfremder“ nicht für die sportfachlichen Inhalte zuständig bin. Das übernehmen unsere Bundestrainer und der frühere DEL-Profi Collin Danielsmeier, der als Referent Trainerausbildung hauptamtlich in meinem Team arbeitet. Ich bin dafür verantwortlich, das große Ganze im Blick zu haben und Visionen dafür zu entwickeln, wohin wir mit der Ausbildung unserer Trainerinnen und Trainer wollen. Man kann es so beschreiben: Ich gebe eine Strategie vor und habe dann die Aufgabe, die Menschen zu finden, die diese Strategie bestmöglich umsetzen können. Dazu zählt auch ein Reservoir an externen Referentinnen und Referenten, auf die wir für die verschiedenen Themenfelder der Ausbildung zurückgreifen können. Wir versuchen ständig, das Curriculum zu erweitern und all unseren Mitarbeitenden den bestmöglichen Rahmen zu bieten. Dazu ist es unerlässlich, sich immer wieder zu hinterfragen.
Wie oft bist du noch an der Basis als Trainer tätig und wie bildest du dich selbst weiter?
Ich bin bei allen Großereignissen der männlichen A-Nationalmannschaft und auch bei ausgewählten Spielen der Frauen oder der Juniorenteams dabei, um persönlich zu erleben, wie unsere Strategie umgesetzt wird. Dazu kommt, dass ich regelmäßig Fortbildungen im In- und Ausland besuche, um sicherzustellen, dass ich gerade im Bereich Wissenschaft am Puls der Zeit bleibe. Der Transfer von Wissen ist schließlich eine meiner wichtigsten Aufgaben.
Worin besteht die größte Herausforderung, Menschen darin zu trainieren, andere Menschen trainieren zu können?
Darin, dass man ein Narrativ entwickelt, das unsere Philosophie trägt. Als Trainer muss ich ein Menschenfänger sein, eine Person, die andere erreichen und dauerhaft mitnehmen kann. Kleinen Menschen erzählt man eine Geschichte, damit sie einschlafen. Großen Menschen muss man eine Geschichte erzählen, damit sie wach bleiben. Im DEB haben wir über die vergangenen Jahre ein Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt, das allen Trainerinnen und Trainern vermittelt, dass sie hochgradig relevant für den Gesamterfolg sind, ganz egal, ob sie die A-Nationalmannschaft trainieren, in der Laufschule tätig sind oder die U 9 betreuen. Dieses Gefühl weiterzutragen, ist eine meiner Aufgaben. Am Ende entscheidet es sich darüber, ob wir in der Lage sind, Menschen für unseren Weg zu begeistern.
Welche Rolle spielt die DOSB-Lizenzausbildung für euch im Verband?
Wir bieten im DEB nur Lizenzen für den Leistungssport an, insofern spielt sie eine herausragende Rolle. Diese Lizenzen sind das Eintrittstor, um den Trainerberuf auszuüben. Auch wenn er leider in Deutschland noch immer kein anerkannter Beruf ist, forcieren wir das Hauptamt, weil wir überzeugt davon sind, dass es wichtig ist, so viele Menschen wie möglich hauptberuflich mit den Aufgaben der Ausbildung zu betrauen.
Welche Lizenzen kann man bei euch erwerben, und worin unterscheiden sich die Ausbildungen für den Vereinssport an der Basis und für den Spitzensport?
Da wir nur für den Spitzensport ausbilden, kann ich zur Unterscheidung nichts sagen. Wir haben in Deutschland nur rund 25.000 aktive Spielerinnen und Spieler. Jeder, der anfängt, gilt erst einmal als Talent. Wohin sich dieses Talent entwickelt, ob man am Ende Nationalspieler wird oder eher Fanbetreuer, spielt anfangs keine Rolle. Alle, die anfangen, sollen bestmöglich begleitet werden. Wir bieten dafür zum Einstieg die „Learn to Play“-Lizenz an, die der C-Lizenz entspricht. Darauf aufbauend gibt es die B- und A-Lizenz, die dazu befähigt, im Leistungssport trainieren zu können. Dazu kommen Spezialzertifikate für Torwart- und Techniktraining.
Wie viele Eishockey-Trainer*innen werden pro Jahr ausgebildet, und werden die alle von dir und deinem Team ausgebildet?
B- und A-Lizenzen bietet der DEB exklusiv an. C-Lizenzen können auch in manchen Landesverbänden erworben werden. Im DEB gibt es pro Jahr mindestens drei Lehrgänge für die C-Lizenz mit ungefähr 30 Teilnehmenden. Die Lehrgänge für B- und A-Lizenz bieten wir einmal im Jahr für bis zu 30 Personen an. Dazu kommen regelmäßige Fortbildungsangebote. Die Ausbildung streckt sich über ein Jahr und umfasst Präsenzveranstaltungen und digitale Module. Prüfungen nehmen wir nicht zentral im DEB ab, sondern lassen die Prüflinge vor Ort in ihren Vereinen arbeiten. Wir reden in Deutschland viel von kompetenzorientierter Ausbildung, aber für die Abschlussprüfungen fallen wir oft in ein stumpfes Abfragen des Erlernten zurück. Das wollten wir aufbrechen und den Menschen die Möglichkeit geben, in ihrem alltäglichen Umfeld ihre Kompetenzen nachzuweisen. Das bedeutet, dass sie ihre praktische Prüfung ablegen, indem sie sich bei einer mindestens 60-minütigen Trainingseinheit selbst filmen und diesen Film bei uns einreichen. Ich halte das für wesentlich authentischer als eine künstlich erschaffene Prüfungsatmosphäre.
Was sind das für Personen, die eine Trainerausbildung im Eishockey beginnen? Sind das eher junge Leute, aktive oder ehemalige Spieler*innen oder auch Eltern?
Tatsächlich haben wir von allem etwas dabei. Es kommen junge Menschen von der Uni, die einen Einstieg in den Trainerberuf suchen, aber auch Eltern, deren Kinder mit dem Sport angefangen haben und die sich einbringen wollen. Und in den vergangenen Jahren ist erfreulicherweise die Zahl der Spielerinnen und Spieler gestiegen, die an ihre Karriere anschließend in den Trainerbereich wechseln. Das ist uns im DEB ein wichtiges Anliegen, deren Expertise im Verband zu halten. Im kommenden Jahr werden wir erstmals einen C-Lizenz-Lehrgang für das komplette Frauen-Nationalteam anbieten. Wir haben in den Lehrgängen häufig einen deutlichen Männerüberschuss und wollen ausprobieren, ob es hilfreich ist, Kurse nur für Frauen anzubieten.
Ein Großmeister seines Fachs will das deutsche Boxen zu alter Stärke führen
Auch Genies wählen manchmal einfache Botschaften. „Wenn man gute Ergebnisse liefert, ist man ein guter Trainer“, sagt Humberto Horta Dominguez. Man mag das für eine Binsenweisheit halten, aber vielleicht fällt dem 59-Jährigen eine solche Aussage auch deshalb etwas leichter, weil man ihm im Umkehrschluss selbst dann, wenn die erhofften Resultate ausblieben, nicht unterstellen würde, ein schlechter Übungsleiter zu sein. Schließlich ist das, was der neue Chefbundestrainer im Deutschen Boxsport-Verband (DBV) an Reputation mitbringt, über jeden Zweifel erhaben. In seinem Heimatland Kuba, im olympischen Boxen über Jahrzehnte das anerkannte Powerhouse der Welt, hat er herausragende Kampfkünstler wie Yan Barthelemy, Guillermo Rigondeaux, Odlanier Solis, Robeisy Ramirez oder Roniel Iglesias zu Olympiasiegen gecoacht. Vor zehn Jahren wagte er den Schritt nach Europa, führte die russische Boxstaffel zu den Sommerspielen in Rio de Janeiro, wechselte 2019 nach Aserbaidschan und war für die Spiele 2021 in Tokio und 2024 in Paris für Frankreichs Auswahl verantwortlich.
Erfolg hatte Humberto Horta Dominguez überall, was zumindest die Frage beantwortet, warum der DBV Interesse an seiner Verpflichtung hatte. Aber was ihn dazu bewogen hat, eine einst große Boxnation zu übernehmen, die seit nunmehr 25 Jahren – von wenigen bronzenen Ausnahmen wie Vitali Tajbert, Artem Harutyunyan oder Nelvie Tiafack abgesehen – dem olympischen Ruhm von einst hinterherschlägt, das muss man den Neuen schon direkt fragen. Und aus der Antwort, die er gibt, lässt sich heraushören, dass da nun jemand für den DBV in der Ringecke steht, der nicht viele Worte braucht, um so treffend wie ehrlich verbal zu parieren. „Genau diese Aufbauarbeit macht den Reiz aus. Dort, wo ich bislang gearbeitet habe, war es einfach, weil der Erfolg schon da war. Ich habe mich bewusst für den DBV entschieden, um hier etwas Neues entstehen zu lassen“, sagt er.
Er sagt es auf Spanisch, Diagnostiktrainer Frank-Josef Fischer, der als Aktiver lange auf Kuba trainierte, übersetzt nicht nur im Gespräch mit dem DOSB, sondern auch im Training, wenn es notwendig ist. Ist es aber kaum, sagt Farid Vatanparast. „Wenn die Sportlerinnen und Sportler dreimal am Tag die gleichen Kommandos hören, wissen sie schnell, was gemeint ist. Die Sprache spielt da kaum eine Rolle“, sagt der DBV-Präsident mit iranischen Wurzeln aus Münster, der bei Hortas Einstellung zum 1. Februar dieses Jahres die treibende Kraft war. Auch der Coach selbst ist überzeugt davon, dass die Sprache des Sports universell ist. Er erklärt das anhand eines anschaulichen Beispiels. „Bei den Olympischen Spielen in Paris waren bei den Männern Usbekistan und bei den Frauen China die erfolgreichsten Nationen. Beide Staffeln wurden von kubanischen Trainern geführt, die die Landessprache nicht beherrschten“, sagt er im Brustton einer Überzeugung, die keinerlei Widerspruch zu dulden scheint.
Horta setzt auf ein starkes Kollektiv
Diese Klarheit sei es, die ihn davon überzeugt habe, „diesem Mann zu einhundert Prozent zu vertrauen“, sagt Farid Vatanparast, dem jedoch wichtig ist zu betonen, dass der Neue keinesfalls nur mit seiner natürlichen Autorität zu gefallen wisse. „Humberto ist verdammt hart, aber noch herzlicher. Er ist sehr verständnisvoll und betrachtet jedes einzelne Mitglied des Teams individuell. Für jeden hat er einen eigenen Plan und beherrscht es, sein klares Konzept an jedes Individuum anzupassen.“ Das Team, sagt Humberto Horta, müsse immer im Mittelpunkt stehen, das sei die vielleicht wichtigste Säule seiner Philosophie. „Wir brauchen Zusammenhalt. Wenn man kein gutes Kollektiv bildet, kann man in der Arbeit nicht vorankommen.“ Dazu gehöre selbstverständlich Disziplin, die er in Deutschland seinen Erwartungen entsprechend vorfinde. „Die klare Ansage ist, dass jeder 15 Minuten vor Trainingsbeginn zu erscheinen hat, und ich hatte bislang noch keinen einzigen Anlass, eine Disziplinarstrafe auszusprechen“, sagt er.
Was er seinem Verband mit der Personalie Horta zumutet, ist Farid Vatanparast bewusst. Auch weil Hortas Vorgänger, der 2017 verpflichtete Ire Eddie Bolger, nicht immer ein glückliches Händchen damit hatte, seine Außensicht in den DBV hineinzutragen, war das Murren darüber, ob in Deutschland nicht ausreichend gute Trainer verfügbar seien und wirklich wieder ein Ausländer verpflichtet werden müsse, deutlich vernehmbar. Zumal der Kubaner nicht weniger als einen vollständigen Mentalitätswechsel und eine komplett neue Philosophie im deutschen olympischen Boxen implementieren möchte. „In Europa wird in Training und Wettkampf sehr statisch geboxt. Das möchte ich aufbrechen“, sagt er.
Hamburg stimmt gegen Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele
Die wahlberechtigten Bürger*innen in Hamburg haben gewählt und mit 54,9 Prozent gegen eine Bewerbung Hamburgs um Olympische und Paralympische Spiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 gestimmt. Bei einer Wahlbeteiligung von 49,5 Prozent – 652.603 der 1.315.800 Abstimmungsberechtigten nutzten ihr Wahlrecht - gab es 293.819 Ja-Stimmen, eine Mehrheit wurde damit verfehlt. Die hohe Wahlbeteiligung zeugt dennoch von einem breiten demokratischen Verständnis der Wähler*innen in Hamburg.
Aufgrund des negativen Ergebnisses kann die Freie und Hansestadt Hamburg ihr Konzept nun nicht mehr bis zum 4. Juni beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) einreichen. Damit hat Hamburg die zweite Stufe des gemeinsam mit allen Bewerbern abgestimmten Drei-Stufen-Modells nicht erfolgreich abgeschlossen und gilt für den DOSB fortan nicht mehr als Bewerber.
Der weitere Prozess der Olympiabewerbung wird bis zur außerordentlichen Mitgliederversammlung am 26. September mit den Bewerbern Berlin, KölnRheinRuhr und München fortgesetzt. Unabhängig davon wird der DOSB weiterhin mit Hamburg zusammenarbeiten, um zu prüfen, wie Teile des Konzeptes auch unabhängig von einer Olympiabewerbung im Sinne des Sports realisiert werden können.
Zu dem vorläufigen amtlichen Endergebnis aus Hamburg nimmt der DOSB wie folgt Stellung:
Eine Botschafterin für alles Gute im Leben
Ausnahmen bestätigen jede Regel. Aber es ist sehr unwahrscheinlich, dass es Menschen gibt, die aus einem Gespräch mit Yusra Mardini schlechter gelaunt herauskommen, als sie hineingegangen sind. Was nicht nur an dem liegt, was die 28-Jährige sagt, sondern auch daran, wie sie Dinge verbal zu verpacken weiß. „Sieh das Gute in allen Lebenslagen“, das ist ihr Lebensmotto. Wer ihre Geschichte kennt, weiß einzuordnen, dass ihr dieses Motto oftmals geholfen hat, um sich über Wasser zu halten, manches Mal sogar im wahrsten Wortsinn. Dass sie heute, rund elf Jahre nachdem ihr Leben die wohl einschneidendste Wende nahm, die man sich vorstellen kann, ihre Wortgewalt auch im Deutschen Olympischen Sportbund einbringt, ist ein Geschenk. Für beide Seiten, wie Yusra im Gespräch bestätigt. Aber dazu später mehr.
Im August 2015 war die damals 17-Jährige in Begleitung ihrer drei Jahre älteren Schwester Sara aus ihrer vom Krieg schwer gezeichneten Heimat Syrien nach Europa geflohen. Was ihnen auf der Überfahrt aus der Türkei auf die griechische Insel Lesbos passierte, ist spätestens im 2022 auf Netflix erschienenen Doku-Drama „Die Schwimmerinnen“ der Welt bekannt gemacht worden. Weil an ihrem vollkommen überlasteten Schlauchboot der Außenbordmotor ausfiel und das Gefährt mit mehreren Nichtschwimmern an Bord zu kentern drohte, sprangen die Mardini-Schwestern, die damals beide zum syrischen Nationalkader zählten, ins Wasser und hielten das Boot über mehrere Stunden auf Kurs, bis das rettende Ufer erreicht war. Es folgte eine nervenaufreibende Reise über die Balkan-Route bis nach Berlin, wo die beiden unter Obhut des damaligen Cheftrainers Sven Spannekrebs bei den Wasserfreunden Spandau 04 ein neues Leben beginnen konnten.
2016 startete Yusra in Rio für das Refugee Olympic Team
2016 startete Yusra für das Refugee Olympic Team des Internationalen Olympischen Komitees bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Für ihre Bekanntheit in der Sportwelt war das der Durchbruch, für die Athletin selbst der Startschuss zu einem Medien-Marathon. Viele Male musste sie ihre Geschichte erzählen, 2018 verarbeitete sie ihre Erlebnisse in ihrer Biografie „Butterfly“, deren Titel an ihren favorisierten Schwimmstil angelehnt ist. 2021 war sie bei den Sommerspielen in Tokio Fahnenträgerin des Geflüchteten-Teams, und als kurz darauf die Anfrage aus dem DOSB kam, ob sie sich vorstellen könne, als Persönliches Mitglied eine Rolle im Dachverband des deutschen Sports zu übernehmen, habe sie keine Sekunde mit der Zusage gezögert, sagt sie. „Der DOSB hat mir nach meiner Ankunft in Deutschland so viel gegeben, ich wurde von allen Seiten so großartig unterstützt, dass es für mich sofort klar war, dass ich gern etwas zurückgeben wollte“, sagt sie.
Sven Spannekrebs erinnert sich ebenfalls an die Anfrage, die der damalige DOSB-Pressesprecher Michael Schirp initiiert hatte. „Es gab keine Zweifel, dass Yusra es macht, auch wenn wir nicht wussten, was diese Aufgabe beinhaltet“, sagt der Mann, der für Yusra bis heute einer der engsten Vertrauten ist. Gemeinsam gründeten sie am 20. Juni 2023, dem Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen, eine Stiftung, die in Deutschland unter dem Namen „Butterfly by Yusra Mardini“ firmiert und international als „Yusra Mardini Foundation“ agiert. Mit beiden Vereinen versucht die ehemalige Spitzenathletin, die bei der UN-Flüchtlingsagentur UNHCR als Goodwill Ambassador tätig ist, Geflüchteten in aller Welt Zugang zu Sport und Bildung zu ermöglichen.
Ihren Wohnsitz in den USA, wo sie nach dem Ende ihrer Karriere im Jahr 2022 ein Studium aufgenommen hatte, hat Yusra mittlerweile aufgegeben. Ihre Projekte steuert sie aus dem Nahen Osten und Berlin, wo ihre Familie lebt. „Ich bin aber so viel auf Reisen, dass ich keine feste Basis habe“, sagt sie. Als Heimat bezeichnet sie Deutschland, dessen Staatsbürgerin sie seit vier Jahren ist, und Syrien, wo sie aktuell ein neues Projekt anschiebt, für das sie auf Unterstützung der Bundesregierung hofft. „Dort gibt es noch immer zweieinhalb Millionen Kinder, die auf der Straße leben und keinerlei Möglichkeiten haben, mit Sport und Bildung in Kontakt zu kommen. Es ist für mich eine Herzensangelegenheit, deren Lage zu verbessern, denn das Einzige, das Kinder aus ihrem Leid herausholen kann, ist der Sport“, sagt sie.
„Die DOA muss das Schnellboot der olympischen Bildung sein“
DOSB: Miri, du bist Mutter zweier kleiner Mädchen, arbeitest im Hauptberuf im Polizeidienst, bist ehrenamtlich im Präsidium des DOSB und bei der Sporthilfe in Rheinland-Pfalz engagiert. Ketzerisch gefragt: Warum brauchte es nun noch das Ehrenamt als Vorsitzende der Deutschen Olympischen Akademie?
Miriam Welte: Das ist eine berechtigte Frage. Dank meines Amtes im DOSB-Präsidium war ich in den Vorstand der DOA entsandt und habe gespürt, dass dort viel Arbeit anliegt, die mir wichtig ist. Das Thema olympische Bildung liegt mir extrem am Herzen. Ich sehe, nicht zuletzt auch durch meine eigenen Kinder, dass Sport und Bewegung in unserer Gesellschaft und vor allem bei Kindern und Jugendlichen einen immer geringeren Stellenwert haben. Dadurch gehen Werte verloren, die ich für unerlässlich halte, und die gesundheitlichen Auswirkungen von Bewegungsmangel sind uns allen bekannt. Gleichzeitig steht die DOA an einem wichtigen strategischen Punkt. Nach dem Ausscheiden von Gudrun Doll-Tepper war klar, dass wir nicht einfach im Status quo weitermachen können, sondern die Akademie inhaltlich und strukturell neu ausrichten müssen. Als ich gefragt wurde, ob ich bis zu den Neuwahlen kommissarisch Verantwortung übernehmen würde, war für mich deshalb schnell klar: Ich möchte diesen Prozess aktiv mitgestalten. Trotz meiner anderen Verpflichtungen habe ich mich dazu entschieden. Und ich mache das gern!
Die IOC-Charta besagt, dass die olympische Bildung im Zuständigkeitsbereich der Nationalen Olympischen Komitees liegt. Der DOSB könnte sich also auch selbst darum kümmern. Warum braucht es aus deiner Sicht aber die Akademie?
Der DOSB könnte olympische Bildung selbstverständlich selbst organisieren. Die entscheidende Frage ist aber, welche Struktur dafür langfristig die größte Wirkung entfaltet. Ich bin überzeugt, dass die DOA gerade durch ihre eigenständige Rolle einen besonderen Mehrwert für die olympische Bewegung bietet.
Worin liegt dieser besondere Mehrwert konkret?
Die DOA bringt einen vielfältigen, fundierten und zugleich gesellschaftlich orientierten Blick auf die Sinn-, Werte- und Grundsatzfragen des Sports ein. Sie ergänzt damit die operative und sportpolitische Arbeit des DOSB und stärkt sie zugleich.
In den vergangenen Monaten wurde intensiv über die Ausrichtung der Akademie diskutiert. Was bedeutet das für die Zukunft der DOA?
Die Diskussion hat deutlich gemacht, dass die Stärke der DOA nicht darin liegt, möglichst viele Aufgaben parallel abzubilden. Unsere Stärke liegt in einer klar fokussierten Rolle: als Impulsgeberin, Wissensplattform, Netzwerkpartnerin und Kompetenzzentrum für olympische Wertebildung.
Was heißt das konkret für die Arbeit der Akademie?
Die DOA soll künftig schnell, innovativ und partnerschaftlich agieren können – etwa bei Bildungsformaten, Pilotprojekten oder der Vernetzung von Sport, Wissenschaft und Bildung im Kontext der olympischen und paralympischen Werte. Genau darin sehen wir die Rolle der DOA als „Schnellboot“ innerhalb des olympischen Systems.
Bedeutet das auch eine engere Zusammenarbeit mit dem DOSB und anderen Partnern?
Absolut. Es geht ausdrücklich nicht um Abgrenzung, sondern um ein kooperatives und arbeitsteiliges Modell. Die Zukunft der DOA liegt in der intelligenten Ergänzung bestehender Strukturen – gemeinsam mit DOSB, dsj, der Deutschen Olympischen Gesellschaft, dem Deutschen Sport- und Olympiamuseum, Hochschulen und internationalen Partnern. Wir wollen die DOA strategisch so aufstellen, dass sie in diesem Netzwerk eine klare, sichtbare und wirksame Rolle übernimmt.
Der Hamburger Sport zeigt Flagge für Olympia
Großes Tennis war in Hamburg in den vergangenen Wochen gleich mehrfach zu erleben. Am Rothenbaum endete am Sonntag das ATP-500-Turnier mit dem Sieg des peruanischen Qualifikanten Ignacio Buse. Deutschlands Nummer eins Alexander Zverev musste seine Teilnahme verletzungsbedingt kurzfristig absagen. Nichtsdestotrotz nutzte der gebürtige Hamburger den Anlass und bekannte sich klar zur Olympiabewerbung seiner Heimatstadt. „Nichts ist weltweit im Sport vergleichbar mit der Kraft, dem Spirit und dem Geist, den Olympische und Paralympische Spiele entfachen. Ich selbst durfte miterleben, wie die Spiele eine ganz besondere, positive Euphorie in die Stadt bringen – einen Aufbruch, weit über den Sport hinaus“, sagte der Olympiasieger von Tokio. Diesen Spirit wünsche er sich auch für Hamburg: „Die Spiele passen hervorragend an Alster und Elbe. Deshalb sage ich: Ja für Olympia in Hamburg.“ Bereits einige Wochen zuvor hatte auch der Nachwuchs sein Können gezeigt: Bei der U15-Meisterschaft des Deutschen Tennis Bundes überzeugten die Hamburger Juniorinnen und Junioren auf heimischer Anlage. Sigrid Rinow, Präsidentin des Hamburger Tennis-Verbandes, und Verbandstrainer Pelle Boerma nutzten die Gelegenheit, um für Zustimmung beim Bürgerschaftsreferendum zu werben. Aus ihrer Sicht bieten Olympische und Paralympische Spiele große Chancen für den Breitensport – von der Jugendförderung bis zur Modernisierung von Sportplätzen und Turnhallen.
Laufen für Olympia & Paralympics
Mit einem besonderen Angebot für den Breitensport setzt auch der Hamburger Unternehmer Peter Merck ein Zeichen für die Olympiabewerbung seiner Stadt. Seit April lädt er jeden Montag zu einem Lauftreff ein, der sportliche Bewegung mit der Unterstützung für Olympia und Paralympics verbindet. Das Interesse wächst von Woche zu Woche, auch prominente Gäste wie Jogi Bitter und Laura Ludwig waren bereits mit dabei. Auf der rund drei Kilometer langen Strecke zwischen Elbphilharmonie und Fischauktionshalle wird so Woche für Woche ein Zeichen für Spiele in Hamburg gesetzt.
Die Laufschuhe für Olympia und Paralympics wurden auch am 26. April beim Hamburger Marathon geschnürt. Rund 34.000 Teilnehmende gingen insgesamt an den Start und liefen unter anderem am Olympia & Paralympics Hot Spot in Winterhude vorbei. Ein besonders Zeichen für die Spiele setze dabei nicht nur das Olympia-Führungsauto, das den Führenden des Marathons bzw. Halbmarathons die gesamte Strecke über begleitete, sondern auch die beiden Läufer*innen, die den Marathon als Staffel im Briefkastenkostüm bewältigten. Den Wahlaufruf „Deine Stimme für Olympia & Paralympics!“ trugen sie so über 42 km durch Hamburg. Mit interaktiven Sportmodulen, einer Fotobox und Informationen durch Volunteers wurde auch neben der Strecke am Hotspot der Fokus auf die Olympiabewerbung gelegt.
Der Dino wirbt für die Spiele
Eine große Bühne räumte auch der Hamburger SV (HSV) der Bewerbung beim Heimspiel gegen den SC Freiburg am 10. Mai ein. Vor 57.000 Zuschauern empfing der HSV neben Hamburgs Oberbürgermeister Dr. Peter Tschentscher zahlreiche Olympiabotschafter der Hansestadt, darunter Moritz Fürste, Horst Hrubesch, und Para-Athletin Edina Müller. Kinder in speziellen Olympia-Einlaufshirts begleiteten die Profis auf das Feld, die sich ebenfalls in Olympia-Shirts von ihren Fans vor dem Spiel anfeuern ließen. Die gemeinsame Botschaft nicht nur an diesem Tag: Hamburg kann große Spiele.
Von Handball über Rugby bis zum Basketball
Bereits am 12. April rückte das kleine Nordderby in der Handball-Bundesligaspiel die Bewerbung in den Mittelpunkt. Gemeinsam posierten der Handball Sport Verein Hamburg und der THW Kiel vor Anpfiff mit zwei Bannern, die zur Abstimmung in Hamburg und Kiel aufriefen. Die Kieler stimmten bereits am 19. April bei ihrem Referendum mit 63,5 % für die Spiele. Im Hamburger Konzept ist neben Segeln auch Handball und Rugby in der Fördestadt vorgesehen.
Beim Stadtderby zwischen dem Hamburger Rugby-Club und dem FC St. Pauli sieht Juniorennationalspieler Tom Hill vor allem die Chancen einer Olympiabewerbung Hamburgs: „Sport verbindet einfach. Für mich wäre es das Größte, in meiner Stadt auch zahlreiche andere, weniger bekannte Sportarten anschauen zu können.“ Genau darin kann die Chance Olympischer und Paralympischer Spiele für Randsportarten liegen. Niclas Füllgraf vom FC St. Pauli erhofft sich außerdem einen Aufschwung im Ausbau der Sportinfrastruktur, die auch dem Breitensport zu Gute kommt.
Für Olympia und Paralympics sprechen sich auch die Veolia Towers Hamburg aus. Neben Banneraktionen bei ihren Heimspielen, einer aktiven Social-Media-Begleitung, Teilnahmen am „Run for Olympia“ haben sich die beiden Geschäftsführer Jan Fischer und Marvin Willoughby und Vereinsvorstand Oliver Eckardt in einem offenen Brief klar für die Spiele positioniert. „Wir glauben, dass eine Olympiabewerbung für Hamburg die Chance bietet, den Sport in unserer Stadt nachhaltig zu stärken: durch mehr Aufmerksamkeit, bessere Rahmenbedingungen und einen neuen gesellschaftlichen Fokus auf Bewegung, Gesundheit und Nachwuchsförderung.“ Auch im Breitensport beteiligten sich zahlreiche Vereine und Verbände und präsentierten das gleiche Banner wie die Profis. So zum Beispiel beim Verbandspokalfinale im Feldhockey oder bei den Norddeutschen Schwimmmeisterschaften der Jahrgänge 2014 und 2015.
Der Aktionsspieltag erreichte alleine in den Stadien und Arenen rund 150.000 Menschen, dazu kommen die hunderttausenden Zuschauenden beim Marathon und den Breitensportevents.
Noch bis zum 31. Mai sind alle wahlberechtigten Hamburger*innen dazu aufgerufen, ihre Stimmen per Briefwahl oder vor Ort im Wahllokal abzugeben. Der Hamburger Sport hat sich schon längst mit einem klaren „Ja“ für Sommerspiele ausgesprochen. Jetzt liegt es an den 1,3 Millionen wahlberechtigten Bürger*innen der Hansestadt, sich zu positionieren.
5 Ringe – 5 Fragen: Bürgerschaftsreferendum entscheidet über Hamburger Olympiabewerbung
Warum möchte sich Hamburg bewerben?
Hamburg versteht sich als internationale Sport- und Hafenstadt mit kurzen Wegen, moderner Infrastruktur und großer Erfahrung bei der Ausrichtung internationaler Veranstaltungen wie dem SUZUKI World Triathlon Hamburg oder dem Haspa Marathon. Den nächsten großen Schritt sieht die Stadt Hamburg in einer möglichen Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele. Sie bieten die Möglichkeit, nicht nur die Spiele modern zu organisieren, sodass sie nachhaltig geplant sind und daher mit bestehenden und temporären Sportstätten arbeiten, sondern dadurch auch die Stadt weiterzuentwickeln.
Im Mittelpunkt der Bewerbung steht die Idee kompakter Spiele: Viele Wettkampfstätten liegen zentral und sind gut mit dem ÖPNV, dem Fahrrad oder sogar zu Fuß erreichbar. Gleichzeitig möchte Hamburg die Spiele nutzen, um wichtige Zukunftsprojekte in den Bereichen Sport, Mobilität, Wohnungsbau und Stadtentwicklung zu beschleunigen.
Wie sollen die Spiele in Hamburg aussehen?
Herzstück der Hamburger Olympiabewerbung ist die Binnenalster, auf deren eindrucksvoller Kulisse die Eröffnungsfeier den Auftakt bilden soll. Hier sollen laut Senat danach das 3x3 Basketball Turnier und die finalen Bogenschießen Wettkämpfe ausgetragen werden.
Die kompakte Planung soll die Spiele in Hamburg möglichst nahbar für Zuschauerinnen und Zuschauer machen.
85 % der Wettkampfstätten befinden sich in einem Umkreis von sieben Kilometern, ausgehend von der „Olympic Park City“, dem Heiligengeistfeld. Im „Olympic Park Altona“, im nördlichen Volkspark finden laut Konzept Leichtathletik, Turnen und Schwimmen statt.
Durch kurze und barrierearme Wege in der Stadt, soll Hamburg zur barriereärmsten Metropole Deutschlands werden – so das Ziel der Konzept-Verantwortlichen in Hamburg.
Die weltbesten Athlet*innen kommen in einem Olympischen und Paralympischen Dorf, der Science City Hamburg Bahrenfeld, zusammen. Die zentrale Lage ermöglicht es 40 % der Athlet*innen zu Fuß zu ihren Wettkampfstätten zu gelangen. Nach den Spielen stehen die Wohnanlagen rund 9.000 Menschen als bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung.
Mit Kiel setzt Hamburg auf einen Außenstandort, an dem Segeln, Handball und Rugby geplant sind.
Welche langfristigen Vorteile hätten Olympia und Paralympics für Hamburg?
Der Ausbau einer barrierearmen Stadt bedeutet, dass nicht nur die Spiele für viele Menschen zugänglich sind, sondern auch, dass die Stadt weit über die Spiele hinaus von barrierearmen ÖPNV, Sportanlagen und Infrastruktur profitiert.
24 % der Wettkampfstätten werden laut Senat temporär errichtet und Teil der Ausstattung kommen im Anschluss in Hamburger Sportstätten zum Einsatz, wie z. B. Turn- und Hallenböden. Auch Schulen und Bezirke sind in der Nachnutzung vorgesehen und erhalten bspw. Tischtennisanlagen.
Übrigens: Schon seit 2015 profitiert Hamburg von der letzten Olympiabewerbung. Die Stadt hält seither am Konzept der „Global Active City“ fest und zeigt damit, welche Impulse zur Sportförderung allein durch die Bewerbung ausgelöst werden können.
Wer unterstützt die Hamburger Bewerbung?
Der Sport, bekräftigt seine Unterstützung in Breite und Spitze über den April und Mai verteilt mit der Ausrichtung von vielen Aktionsspieltagen: von Schwimmen über Tennis bis Rugby. Egal ob Harvesterhude Tennis- und Hockey-Club, Hamburger Sport-Verein oder der Lauftreff bis zum Referendum – die Vereine und Veranstaltungen zeigen, der Sport steht hinter der Bewerbung Hamburgs und sieht die Potenziale, die hinter Olympischen und Paralympischen Spielen stecken.
Aber nicht nur der Sport, sondern auch in der Politik erfahren die Planungen des Senats große Unterstützung. Für den Hamburger Oberbürgermeister Peter Tschentscher ist klar: „Olympia steht für sportlichen Wettbewerb und ein friedliches Miteinander der Völker. Die Olympischen Spiele werden zusammen mit den Paralympischen Spielen ausgerichtet, die Teilhabe und Inklusion fördern.“
Daneben hat sich ein breites Bündnis an Wirtschaftspartnern – neben der nationalen Wirtschaftsinitiative – gebildet, das die Bewerbung unterstützt.
Wie geht es nach dem Bürgerschaftsreferendum weiter?
Das Ergebnis des Bürgerschaftsreferendums fließt in der Kategorie „Nationale Akzeptanz“ in die Bewertungsmatrix des DOSB mit ein. Daneben bilden die sportfachliche Eignung, internationale Wettbewerbsfähigkeit, Kosten und Finanzierung sowie Fragen der nachhaltigen Wirkung über die Spiele hinaus weitere prüfungsrelevante Kriterien.
Das Bürgerschaftsreferendum in Hamburg bildet als letztes Referendum den Abschluss der Stufe 2, der Einbindung der Bevölkerung, im 3-Stufen-Modell des DOSB. Auf diese Phase folgt die dritte Stufe, in der alle bis 4. Juni eingereichten Konzepte geprüft und bewertet werden.
Am 26. September fällt auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des DOSB in Baden-Baden die finale Entscheidung, welches Konzept in das internationale Rennen zieht.
Sein Erfolgsrezept? Den Körper unter Vollstress setzen!
13 oder 14 Jahre war er alt, ganz genau weiß Maximilian Dallinger es nicht mehr, als er mit seinen Eltern zum ersten Mal die Schießanlage in Garching-Hochbrück besuchte. Im Weltcup war damals der US-Amerikaner Matthew Emmons am Start, Olympiasieger von Athen 2004 und für das Nachwuchstalent von der Schützengesellschaft Isental Lengdorf ein absolutes Vorbild. „Für mich war es ein Traum, einen Sportler wie ihn aus der Nähe erleben zu können“, sagt der 29-Jährige rückblickend. In dieser Woche nun steht Maxi in Garching selbst im Mittelpunkt. Beim Heimweltcup auf der Schießbahn der Olympischen Spiele von 1972 ist der Mann, der im vergangenen Jahr mit dem Gewinn des WM-Titels in der Disziplin Luftgewehr 10 Meter die Schießsportwelt durcheinanderwirbelte, einer derjenigen, auf die nicht nur der Nachwuchs schaut.
„Ein Weltcup daheim ist immer etwas Besonderes. Aber der Stellenwert dieses Wettkampfs ist weltweit extrem hoch, weil er für alle Nationen ein absolutes Highlight im Kalender darstellt“, sagt der gebürtige Erdinger, der mittlerweile in Freising und damit keine halbe Stunde von einer der größten zivilen Schießanlagen der Welt entfernt lebt. 732 Athlet*innen aus 85 Nationen haben für die Wettbewerbe gemeldet, der Bayrische Rundfunk überträgt das Luftgewehr-Finale der Männer an diesem Dienstag um 18.30 Uhr und das Finale der Gewehrfrauen im Dreistellungskampf am Mittwoch um 13 Uhr live auf BR24sport.de, die restlichen acht Finals laufen bei sporteurope.tv. „Die Veranstaltung ist immer perfekt organisiert, innerhalb von zehn Minuten ist man an allen Wettkampfstätten. Alle Ausrüster präsentieren ihre Ware und Neuheiten. Es ist mehr eine Messe als ein normaler Weltcup, daraus erklärt sich die Beliebtheit“, sagt Maxi Dallinger.
Dazu kommt, dass die Anbindung an die Stadt München und die Berge und Seen im Umland perfekt ist. Anders als bei Wettkämpfen in Doha (Katar) oder Kairo (Ägypten), wo die Schießanlagen entweder abgelegen in der Wüste liegen oder für Publikum gar nicht zugänglich sind, werde die Stimmung im Schießsportland Deutschland – der Deutsche Schützenbund (DSB) ist mit rund 1,35 Millionen Mitgliedern hinter Fußball, Turnen, Tennis und dem Deutschen Alpenverein fünftgrößter olympischer Fachverband – allseits hoch geschätzt. „Wenn man eine Umfrage unter den internationalen Athlet*innen machen würde, wäre der Weltcup in Garching für 95 Prozent der Lieblingsstandort, da bin ich sicher“, sagt Maxi Dallinger.
Wer es in die Top 20 schafft, zählt zur Weltspitze
Dass die Augen in seiner Heimat noch mehr als sonst auf ihn gerichtet sein werden, ist dem 1,82 Meter großen Athleten bewusst. Der WM-Titel aus dem vergangenen Jahr, der in den Medien irgendwo zwischen „überraschend“ und „sensationell“ eingeordnet wurde, hat seinen Bekanntheitsgrad deutlich erhöht; weniger dagegen seinen Stellenwert in der Szene, glaubt Maxi Dallinger. „Ich war auch vorher schon auf der Bildfläche und habe nicht das Gefühl, jetzt der Gejagte zu sein“, sagt er. Dafür sei die Spitze in seiner Paradedisziplin zu breit. „Bei internationalen Wettkämpfen kommen 30 Kandidaten infrage, die gewinnen können. Man kann nie mit einer Finalteilnahme rechnen, wer es in die Top 20 schafft, zählt zur absoluten Weltspitze. Die Tagesform ist in unserem Sport sehr entscheidend“, sagt der Topathlet, der auch im Kleinkaliber-Dreistellungskampf aktiv ist.
Als Beleg dafür lässt sich der WM-Wettkampf in Kairo im vergangenen Jahr anführen, in dem Dallinger es im Finale mit Olympiasieger Lihao Sheng aus China und dem schwedischen Olympiazweiten Victor Lindgren zu tun hatte. „Wenn die einen Toptag haben, hauen die einem ein Brett vor den Kopf, dass einem die Ohren schlackern. An dem Tag war das aber nicht so, beide hatten ein paar schlechte Schüsse dabei, ich habe ausgewogen ohne Ausreißer geschossen. Und auf einmal war ich Weltmeister“, erinnert er sich an die Dramatik des Finales, in dem er mit dem letzten Schuss Lindgren um 0,3 Ringe auf Rang zwei distanzieren konnte.
Für Maxi Dallinger war dieses Erlebnis nicht nur sportlich, sondern vor allem mental ein Gamechanger. Hatte er sich vor der WM in Finalwettkämpfen bei internationalen Events oft schwergetan, war da in Kairo plötzlich ein anderes Gefühl. „In der Qualifikation spürte ich, dass es sehr gut läuft, dennoch hatte ich diesen Angstmoment, in dem ich gedacht habe: Wenn ich jetzt ins Finale komme, geht es mir wieder schlecht! Als Schütze kann man solchen Stress gar nicht gebrauchen, aber bei der WM ist es mir gelungen, ihn in positive Energie umzuwandeln. Und mit diesem Wissen, dass ich jetzt Werkzeuge habe, um damit besser umzugehen, fühle ich mich selbstbewusster“, sagt er.
„Rezept für Bewegung“ kommt in die Arztpraxis
Mehr Bewegung beginnt oft mit einem einfachen Impuls. Genau dafür steht das „Rezept für Bewegung“: Ärzt*innen können ihre Patient*innen gezielt zu mehr körperlicher Aktivität motivieren und konkrete Bewegungsangebote empfehlen. Jetzt wird dieses Instrument einfacher nutzbar als je zuvor.
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat Mitte Februar 2026 darüber informiert, dass das „Rezept für Bewegung“ Praxisverwaltungssystem-Anbietern ab sofort als Formular zur freiwilligen Integration zur Verfügung steht. Damit kann das Formular direkt in die Praxissoftware eingebunden, digital ausgefüllt, ausgedruckt und unkompliziert im Praxisalltag eingesetzt werden. Ein wichtiger Schritt, um Bewegung noch stärker als selbstverständlichen Bestandteil gesundheitlicher Prävention zu verankern.
Mit der Duria eG hat nun bereits der erste Anbieter reagiert und das „Rezept für Bewegung“ in sein Praxisverwaltungssystem integriert. Damit steht das Formular ab sofort rund 4.900 Mitgliedern sowie mehr als 2.300 Arztpraxen zur Verfügung.
Bewegung einfacher in den Alltag bringen
Bewegungsmangel gehört zu den größten Gesundheitsrisiken unserer Zeit. Gleichzeitig wissen wir: Regelmäßige Bewegung wirkt präventiv, stärkt die körperliche und psychische Gesundheit und verbessert Lebensqualität in jedem Alter. Die Integration des „Rezepts für Bewegung“ in Praxissoftware erleichtert Ärzt*innen den Zugang zu einem niedrigschwelligen Präventionsinstrument – ohne zusätzlichen Aufwand im eng getakteten Praxisalltag.
DOSB startet Engagement im E-Sport und gründet DOSB E-Sports gGmbH
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) gründet die DOSB E-Sports gGmbH. Das hat das Präsidium des DOSB beschlossen. Mit der neuen Gesellschaft schafft der DOSB eine eigenständige organisatorische Plattform, um sein zukünftiges Engagement im Bereich E-Sport strukturiert, partnerschaftlich und werteorientiert weiterzuentwickeln. Ziel der DOSB E-Sports gGmbH ist es, gemeinsam mit bestehenden Akteuren aus E-Sports, Gaming, Sport, Politik und Gesellschaft nationale Strukturen und Projekte zu entwickeln, die Leistung, Haltung und Community miteinander verbinden.
Leon Ries, Vorstand Jugend im DOSB, erklärt: „E-Sports und Gaming sind für Millionen junger Menschen selbstverständlicher Teil ihrer Lebensrealität. Als organisierter Sport sehen wir darin die Chance, Bewegung, Leistung, Gemeinschaft und Werte auch im digitalen Raum sichtbar zu machen und gemeinsam mit bestehenden Akteuren Verantwortung für positive Entwicklungen zu übernehmen.“
DOSB begrüßt Beschluss des Berliner Abgeordnetenhauses zur Olympiabewerbung
Das Berliner Abgeordnetenhaus hat in seiner Sitzung am Donnerstagvormittag den Senat beauftragt, sich gemeinsam mit Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) als Ausrichter für die Durchführung der Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 zu bewerben. Zwei Drittel der Abgeordneten stimmten für das Konzept Berlin+, das der Berliner Senat am 5. Mai einstimmig beschlossen hatte.
Damit hat Berlin als dritter nationaler Bewerber die Voraussetzungen der Stufe 2 im dreistufigen Auswahlverfahren des DOSB abgeschlossen. Zuvor hatten die Menschen in München und der Rhein-Ruhr-Region in Bürgerreferenden bereits mit großer Mehrheit für Spiele in ihrer Stadt beziehungsweise Region gestimmt. In Hamburg findet am 31. Mai ein Bürgerschaftsreferendum statt. Am 4. Juni endet die Frist zur Einreichung der Konzepte beim DOSB. Anschließend werden die Konzepte evaluiert. Das Ergebnis des Beschlusses fließt ebenfalls in die Bewertungsmatrix des DOSB ein. Über den nationalen Kandidaten stimmt am 26. September in Baden-Baden die außerordentliche Mitgliederversammlung des DOSB ab.
In Berlin ersetzt der Beschluss ein Bürgerreferendum
Anders als die drei anderen deutschen Bewerber verfügt das Land Berlin nicht über die rechtliche Voraussetzung, eine eigene Volksabstimmung auf den Weg bringen. In Berlin ersetzt der Beschluss somit ein Referendum und dokumentiert die politische Unterstützung des gewählten Landesparlaments für die Bewerbung. Zuvor hatte sich das Berliner Parlament mit der Volksinitiative „Die Spiele für Berlin“ befasst. Darin unterstützt der Landessportbund Berlin die Olympiabewerbung und fordert konkrete Verbesserungen für die Sportförderung und Sportinfrastruktur.
Warum das Extreme niemals normal werden darf
Am vorvergangenen Wochenende konnten wir live verfolgen, wie der Berliner Ultra-Marathonläufer Arda Saatci innerhalb von 96 Stunden 600 Kilometer durch den Westen der USA laufen wollte. Auch ich war fasziniert davon, dass das, was dieser Typ vorhatte, der absolute Wahnsinn ist. Auch wenn er am Ende 123 Stunden gebraucht hat, um die gut 14 Marathonläufe am Stück zu absolvieren, ist diese Leistung kaum greifbar und hat wieder einmal gezeigt, wie es möglich ist, die eigenen Grenzen zu verschieben. Die Tausenden Menschen, die diesen Weg mitverfolgt und den Hut davor gezogen haben, unterstreichen diese einzigartige Leistung. Und trotzdem kam neben der Faszination in mir auch ein Störgefühl auf. Das Ausmaß, mit dem dieser Lauf verfolgt wurde, hat mich irritiert, und ich war damit nicht allein. Auch Christoph Becker hat am vergangenen Mittwoch in der FAZ in seinem Kommentar ein ähnliches Gefühl benannt. Uns droht gerade die Realität wegzulaufen. Eine Entwicklung, die ich bereits länger mit großer Sorge betrachte.
Machen wir uns nichts vor: Das Ausloten von Grenzen, dieses „Schneller, Höher, Weiter“, ist die DNA des Leistungssports. Jede Athletin und jeder Athlet möchte herausfinden, wie weit die individuelle Leistungsgrenze verschoben werden kann. Das ist schon immer so gewesen, und es wird auch in Zukunft das Ziel sein, den menschlichen Körper weiter zu optimieren und dabei auch Erkenntnisse der Wissenschaft einzubeziehen, im medizinischen oder auch im technischen Bereich. Was dabei jedoch aktuell aus dem Fokus zu geraten scheint, ist der Fakt, dass Leistungen wie die von Arda Saatci absolute Extreme und eine Ausnahme sind. Extreme, die nur erbracht werden können mit der Hilfe von jahre- oder meist gar jahrzehntelangem Training, körperlicher und mentaler Ausnahmekonstitution und finanzieller Unterstützung auf höchstem Niveau. Die Normalität ist eine andere: Einen Marathon zu laufen, ist bereits eine Ausnahme, die nicht einfach so geleistet werden kann. Auch wenn es mich fasziniert und gleichzeitig befremdet, wie viele Leute das mittlerweile versuchen, ist es ein Fakt und keineswegs verwerflich, dass viele dieser Versuche nicht erfolgreich sind.
Es ist gut, dass Saatci, in einem „Focus“-Interview öffentlich erklärt hat, sein Projekt sei nicht zum Nachahmen empfohlen. Der Eindruck, der durch die Aufmachung seines Laufes entsteht, ist jedoch ein anderer: Immer mehr Menschen halten es nicht nur für möglich, sondern sogar für erstrebenswert und irgendwie schon selbstverständlich, die von der eigenen Physis gesetzten Grenzen unter Einbezug sämtlicher zur Verfügung stehenden Mittel so weit zu verschieben, dass das Extreme zum Normalen wird.
Kein seriöses Medium kommentiert die perverse Show positiv
Eine Show, die exemplarisch für genau dieses Denken und Handeln steht, sind die „Enhanced Games“ (besser bekannt unter dem Namen „Doping-Spiele“), die am Pfingstwochenende in Las Vegas ihre Premiere haben sollen. Rund 50 Teilnehmende in den olympischen Kernsportarten Leichtathletik und Schwimmen sowie im Gewichtheben treten dort an, um unter expliziter Freigabe von Dopingmitteln Weltrekorde zu brechen. Wem das gelingt, der kann sich einen Bonus von einer Million US-Dollar sichern. Wer einfach nur gewinnt, kann bis zu einer Viertelmillion kassieren; die Antrittsgage in fünfstelliger Höhe ist allen garantiert.
Es könnte mich beruhigen, dass unter den Premierengästen außer dem früheren 100-Meter-Weltmeister Fred Kerley, der wegen eines Dopingvergehens bereits suspendiert ist, keine Athlet*innen auf Weltklasseniveau ihre Teilnahme zugesagt haben. Alle internationalen und nationalen Fachverbände sowie das IOC und die WADA verurteilen die Pläne der Organisatoren und haben geschlossen erklärt, dass alle Teilnehmenden künftig nichts mehr im sauberen Sport zu suchen haben. Es gibt kein seriöses Medium weltweit, das die „Enhanced Games" positiv kommentiert, und selbst in den USA keinen Medienpartner, der diese perverse Show begleiten möchte. Und trotzdem: Allein die Diskussionen, die darüber entstanden sind, richten bereits immensen Schaden an. Überhaupt in Erwägung zu ziehen, ob es für den durchschnittlichen Menschen zur Mode werden soll, seine Grenzen mittels verbotener, unkalkulierbar gesundheitsgefährdender Stoffe ins Extreme zu verschieben, richtet immensen Schaden an. Weil es unterstreicht, wie weit unsere Gesellschaft, deren Spiegel der Sport ist, zu gehen bereit scheint.
Klarzustellen ist: Die Summen, die im Raum stehen, rechtfertigen das Nachdenken über eine Teilnahme. Insbesondere für Athlet*innen, die nicht aus Europa kommen, ist die Möglichkeit, auf einen Streich für das eigene und die Leben der Familie ausgesorgt zu haben, mehr als verlockend. Gesundheitliche und ethische Bedenken verschwinden dahinter. Es fällt mir daher schwer, jemanden zu verurteilen, der dieser Verlockung nachgeht. Es muss jedoch klar sein: Wer sich einmal öffentlich für Doping ausgesprochen hat – und bereits die Teilnahme an den Enhanced Games ist ein solches Statement –, hat im sauberen Sport nichts mehr zu suchen. Hier sehe ich einen Unterschied zu denen, die einen Dopingverstoß begangen haben, aber Reue zeigen und sich grundsätzlich gegen Doping positionieren. Für diese sieht unser System eine zweite Chance vor. Befürworter*innen von Doping haben diese nicht verdient.




















